Dass Patienten in Deutschland immer wieder unnötige – weil doppelte – Untersuchungen über sich ergehen lassen müssen, ist hinlänglich bekannt. Der mangelnde Informationsfluss zwischen Ärzten ist allerdings eines der größten Probleme des Gesundheitssystems. Denn ganz gleich ob Ärzte die Daten nicht teilen können oder es schlicht nicht wollen: Das Ganze ist teuer und zudem noch gesundheitlich riskant.

E-Akte mindert Belastungen und senkt Kosten

Die Techniker Krankenkasse hat es gerade vorgerechnet. Allein in Thüringen verzeichnete die Kasse zwischen 2011 und 2014 einen Anstieg der Computertomografien um mehr als ein Fünftel. Genauer: um 21,5 Prozent. Knapp 200.000 CTs wurden registriert. Sind also mehr als 20 Prozent mehr Verdachtsfälle aufgetaucht? Das wäre gegen alle Regeln der Statistik, meint wohl die Krankenkasse und mutmaßt, viele CTs seien doppelt angestellt worden. Schlicht, weil Ärzte nicht auf die Diagnosen und Untersuchungsergebnisse anderer Kolleginnen und Kollegen zurückgreifen konnten.

Tatsächlich dürften viele Bürger diese Interpretation mittragen, denn so ziemlich jeder Patient dürfte bereits ähnliche Erfahrungen mit Doppeluntersuchungen gemacht haben – es muss ja nicht immer die Röntgenröhre sein.

Mit einer digitalen Krankenakte wäre zumindest dieses Problem beseitigt. Die Menschen würden einer geringeren Strahlenbelastung ausgesetzt. Und das finanzielle Problem, das Doppeluntersuchungen und andere Ineffizienzen verursachen – Experten gehen von mehreren Milliarden Euro im Jahr aus, die Beitragszahler überflüssigerweise berappen müssen – ließe sich ebenfalls abschwächen. Zumindest stiege der Druck, Doppeluntersuchungen medizinisch zu begründen – es könnte sich niemand mehr herausreden, Röntgenbilder, Laborergebnisse oder CTs nicht erhalten zu haben.

Bleibt zu hoffen, dass die digitale Patientenakte bald kommt. Es kann dem Gesundheitswesen nur guttun – und würde allen Unkenrufen zum Trotz wohl schon nach kurzer Zeit zu einer Erfolgsstory und einem guten Beispiel dafür werden, was Digitalisierung bewirken – im positiven Sinne.

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