Vielfach haben geschichtsträchtige, einschneidende Veränderungen und Umbrüche in Politik, Wissenschaft und Gesellschaft mit Revolutionen begonnen. Denkt man beispielsweise an die Französische oder die Industrielle Revolution, hat man hochdynamische Szenarien vor Auge, die relativ abrupt eingeleitet, einen massiven Umbruch der bestehenden Verhältnisse bewirkt haben.

Auch die Digitalisierung hat in den 1980er Jahren, angestoßen durch Digitaltechnik und Computer, einen solchen disruptiven, tiefgreifenden Wandel nahezu aller Lebensbereiche bewirkt und allgegenwärtig ihre Spuren hinterlassen. Zahlreiche Innovationen und neue Technologien finden ihren Ursprung in der Umwandlung von analogen in digitale Werte. Dabei haben Geschwindigkeit und Wirkungskraft dieser so genannten Digitalen Revolution Ängste und Unsicherheiten geschürt, denn die für Revolutionen charakteristische unweigerliche Umsetzung von Neuerungen stiftet nur selten bei allen Betroffenen Einsicht – gar Verständnis oder Beteiligung. Vielmehr stößt sie häufig auf Widerstände. Radikale Ansatzpunkte geben Menschen das Gefühl an Freiheit zu verlieren und überrollt zu werden.

Auch Entscheidungsträger in Unternehmen haben wenig Erfolg dabei, wenn sie bei der Digitalisierung ihrer Geschäftsprozesse „mit der Brechstange“ vorgehen, ihre Mitarbeiter übergehen und nicht dort abholen, wo ihre Ängste, Sorgen und Skepsis gründen. Auf nachhaltiges Kommittent kann hierbei lange vergeblich gewartet werden.

Um einen digitalen Wandel im Unternehmen nachhaltig erfolgreich gestalten und vorantreiben zu können, braucht es hingegen das Gegenkonzept zur Revolution – nämlich Evolution.

Vier Aspekte des Evolutionsgedankens sind für Unternehmen hierbei von zentraler Bedeutung: Langsames, organisches Wachstum, Anpassungsfähigkeit, eine entsprechende Modifikation der DNA sowie gemeinsam getragene Lösungen und Standards.

1.) Organic Growth

Je tiefgreifender ein Wandel ansetzt und je komplexer die geplanten Prozessveränderungen sind, desto mehr Zeit sollte ein Unternehmen in die nachhaltige und erfolgreiche Implementierung digitaler Lösungen investieren. Rom wurde sprichwörtlich auch nicht in einem Tag erbaut. Ein Abschalten von Bestandssystemen von heute auf morgen ist äußerst riskant.

Bedeutend sind stattdessen digitale Lösungen, die den Unternehmensalltag nicht radikal verändern, sondern neue Prozesse agil und schrittweise implementieren. Dies ermöglicht, betroffene Mitarbeiter in einzelnen Etappen abzuholen, in den Ablauf zu integrieren und so neue Arbeitsweisen gemeinsam zusammenzuführen. Beteiligte Akteure wachsen langsam mit dem Wandel, haben die Chance sich in die einzelnen Projektphasen einzubringen und mit den neuen digitalen Prozessen vertraut zu werden. Verbesserungen werden Schritt für Schritt umgesetzt. Das Veränderungstempo ist hierbei frei wählbar und passt sich wiederum an die individuellen Bedürfnisse der Kunden und betroffenen Mitarbeiter an.
Ein inkrementelles Vorgehen bietet gleichzeitig auch mehr Schutz für die Investments der Kunden, da nicht alles auf eine Karte und einen einzigen Implementierungsprozess gesetzt wird, dessen Ausgang risikobehaftet ist. Gleichzeitig zeichnet sich eine schrittweise Implementierung neuer Prozesse durch geringere Komplexität sowie Kosten des Projekts aus.

Im Rahmen dieser Evolution gilt es für die Software-Unternehmen die Bestandssysteme der Kunden über Plattformen miteinander zu verbinden sowie neue Services und Schnittstellen zur IoT, Digitalen Signatur, Künstlicher Intelligenz und Spracheingabe, in Zukunft womöglich auch Hololens oder Blockchain einzubinden.

Um einen digitalen Wandel im Unternehmen erfolgreich gestalten zu können, braucht es das Gegenkonzept zur Revolution – nämlich Evolution.

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2.) Anpassungsfähigkeit

Um als Unternehmen bei sich drastisch wandelnden Umweltbedingungen nicht von Wettbewerbern überholt und vom Markt verdrängt zu werden, braucht es die Fähigkeit, die eigenen Kernkompetenzen und Assets zu bündeln und entsprechend weiterzuentwickeln. Schon Charles Darwin schrieb in seiner Evolutionstheorie im 19. Jahrhundert die Beobachtung nieder: „Es ist nicht die stärkste oder die intelligenteste Art, die überlebt. Es ist die Art, die sich am schnellsten an Veränderungen anpasst.“ Die Reaktion auf Veränderungen schafft die Möglichkeit zur Neuausrichtung von Fachabteilungen und Teams entlang moderner Prozesse in der Organisation, eröffnet aber auch Raum für Innovationen und eine Weiterentwicklung der Geschäftsmodelle.

3.) Modifikation der DNA

Evolution umfasst auch tiefgreifende, interne Veränderungen, die sich auf die DNA beziehen. Übertragen auf Unternehmen braucht es die Modifikation und Schaffung einer entsprechenden Unternehmenskultur, die geprägt ist von Offenheit, Neugier und gemeinschaftlichem Austausch. Darüber hinaus sind es Erfahrung und Kompetenz, die im Laufe des unternehmerischen Bestehens gesammelt und durch ein starkes, gut ausgebildetes Team bestärkt werden. Ebenso sollten Mut und Innovationsgeist zu zentralen Bestandteilen der DNA zählen. Agile Vorgehensmodelle unterstützen eine Delegation von Arbeitsschritten an sich selbststeuernde Teams, die die Innovationskraft des Unternehmens vorantreiben. Erfolgsfaktor dieser Vorgehensweise sind eine Veränderung der Managementkultur und eine Verlagerung von Verantwortung.

4.) Gemeinsam getragene Lösungen und Standards

Um sich erfolgreich weiterzuentwickeln, zu wachsen und Wandel positiv zu beleben, sollten Projektverantwortliche ihre Mitarbeiter und Kunden ernst nehmen, auf die von ihnen vorgetragenen Ängste, Standpunkte und Vorschläge eingehen. Wenn sich jeder beteiligte Akteur dort abgeholt fühlt, schafft dies ein Gefühl der Beteiligung und schlussendlich ein gemeinsames Verständnis, Verantwortungsbewusstsein und Kommittent. Der Einzelne möchte seine Rolle am Ende des Change Prozesses verstehen und dies muss kommunikativ intensiv begleitet werden. Der offene Dialog über Projektziele und die einzelnen Schritte ist hierbei essentiell.

Unternehmen, die als Akteure den sich drastisch wandelnden Umweltbedingungen, z.B. durch die Digitalisierung, unmittelbar ausgesetzt sind, können sich risikobehaftetes, revolutionäres Handeln in der Regel nicht leisten. Radikale Veränderungen stoßen auf Ablehnung, Unverständnis und Angst, dabei sind es Sicherheiten, die die verschiedenen Anspruchsgruppen z.B. Mitarbeiter, Kunden oder Investoren einfordern. Revolutionen – und damit ein „Big Bang“ – sind in diesem Kontext nicht die beste Antwort. Um nachhaltiges, wirtschaftliches Handeln und damit u.a. eine Sicherung von Arbeitsplätzen, der Produktqualität oder Investitionen im Change Prozess zu gewährleisten, bedarf es vielmehr einer Evolution.

One-Process-at-a-time heißt das Zauberwort in Zusammenhang mit einer evolutionären und damit inkrementellen Vorgehensweise. Es gilt einen Prozess nach dem anderen in die neue digitale Welt zu überführen und von jedem Schritt zu lernen. Ein solches Vorgehen schafft schnell sichtbare Erfolge und birgt eine Reihe von Vorteilen: So ergeben sich geringere Projektrisiken, ein schneller ROI und vor allem eine kurze Time to Market. Auch bedarf schrittweiser Wandel kleinerer Projektbudgets.

Vielfach zeigt sich, dass eine inkrementelle und nachhaltige Implementierung neuer Prozesse erfolgsversprechender ist als radikale Umbrüche und wenig überlegte Ad-hoc-Maßnahmen. Bei digitalen Projekten müssen Erfolge fortlaufend an alle Stakeholder kommuniziert werden und die Mitnahme der Beteiligten zum Leitmotiv des Change Prozesses werden. So kann Vertrauen geschaffen und die Digitalisierung von Geschäftsprozessen auch bei Ihnen erfolgreich gelingen!

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Über den Autor
Dieter Weißhaar
ist Vorsitzender des Vorstandes der EASY Software AG und seit vielen Jahren als Executive in der Technologiebranche tätig. Als Kind des Ruhrgebiets rudert er gerne zum Ausgleich zu den agilen und innovativen Aufgabenstellungen eines Unternehmens im digitalen Wachstumsmarkt.
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