Allein innovative Ideen zu ersinnen, bringt Unternehmen noch nicht zum Erfolg. Erfolg entsteht erst durch die Fähigkeit, diese Ideen konsequent, rentabel und vor allem schnell umzusetzen. Im neuen Jahr ist es an der Zeit, guten Vorsätzen Taten folgen zu lassen, Umbrüche zuzulassen und Fahrt bei der Digitalisierung in Unternehmen aufzunehmen. Für 2019 gilt: Einfach mal machen!

Das Ignorieren von neuen Entwicklungen endet meist tödlich für Unternehmen

Als Ingenieur bei Eastman Kodak hatte Steve Sasson bereits 1975 die erste digitale Kamera der Welt entwickelt. Das Unternehmen unterschätzte jedoch die neue Technologie und verbannte die Digitalkamera ins Archiv der ungenutzten Ideen, bis das Unternehmen durch diese Entscheidung selbst ins Archiv der Wirtschaftsgeschichte einzog – Kodak wurde von der Digitalisierung überrannt. 2012 meldete das Unternehmen schließlich Insolvenz an, und dass obwohl heute jede Digitalkamera auf das Ur-Patent von Sasson zurückgeht. Dabei hat Kodak damals auf seine Kunden gehört: Diese wollten stets bessere Farben, bessere Filme und bessere Schärfe. Die ersten Digitalkameras waren aber qualitativ allerdings noch weit vom Niveau der analogen Technologie entfernt und schienen ein innovatives, jedoch kein wettbewerbsfähiges Produkt für Kodak zu sein. Eins hatte das Unternehmen aber nicht bedacht: Es gehört zum Merkmal neuer Technologien, dass sie anfangs den Etablierten unterlegen sind – bis sie an Fahrt gewinnen und alles Vorherige hinter sich lassen.
Ignorieren von neuen Technologie hilft also nicht. Digitalisierung ist längst zum Muss für Unternehmen geworden. Dabei kristallisieren sich fünf Imperative für die digitale Transformation heraus: Kulturwandel, Kundenfokus, Schnelligkeit, Integration von Prozessen und die Bereitschaft, sein eigenes Geschäftsmodell zu kannibalisieren. Diese fünf Imperative machen deutlich, dass digitaler Wandel vor allem Basisarbeit an der Denkrichtung und Methodik im Unternehmen ist. Erst dann können strukturierte und vollintegrierte Geschäftsprozesse aufgesetzt und Visionen zur Wertschöpfungsquelle umgewandelt werden.

1. Kulturwandel zulassen

Eine gute Strategie für die digitale Transformation reicht nicht aus, wenn Ihre Mitarbeiter diese nicht umsetzen möchten. Die Digitalisierung wurde in der Vergangenheit von Medien mehr oder weniger zum Übel erklärt: „Digitalisierung bedroht Millionen von Jobs“ titelte etwa Handelsblatt Online. Das führt nicht gerade dazu, dass Ihre Mitarbeiter „Juhu“ rufen, wenn Sie Geschäftsprozesse digitalisieren wollen.
Führungskräfte können keine Agenda erzwingen, sie müssen sie inspirieren. Entscheider überwinden die größte Barriere beim digitalen Wandel, indem sie erkennen, dass die digitale Transformation neue Methoden und Denkweisen erfordert. Beziehen Sie Ihre Mitarbeiter mit ein und nehmen Sie ihnen die Angst: Bei der Digitalisierung in Unternehmen geht es gar nicht darum, Jobs zu kürzen, sondern die Mitarbeiter sinnvolleren Tätigkeiten zuzuführen und mehr Kundenfokus zu erlangen. So schaffen Sie eine Kultur im Unternehmen, die Geschwindigkeit, Risikobereitschaft und Experimentierfreude fördert. Gartner hat eine einfache Formel für den Erfolg beim digitalen Wandel aufgestellt, die das Verhältnis zwischen Unternehmenskultur und Technologie gut auf den Punkt bringt: (Mindest + Practices) x technology = Success (Panetta, Kasey: „Gartner Symposium/ ITxpo 2018“)

2. Kundenfokus herstellen

Der Markt verschiebt sich von einer Güterknappheit zu einer Knappheit von Aufmerksamkeit der Kunden. Nachdem etablierte Unternehmen jahrzehntelang mit Informationstechnologien die Effizienz ihrer Abläufe verbessert haben, brauchen sie nun einen Fokus auf digitale Plattformen, um einen höheren Kundennutzen zu erlangen. Zu oft ist das Streben nach Digitalisierung aber nicht strategisch. Entscheider laufen jedem technologischen Trend hinterher, ohne zu fragen: Was wollen eigentlich unsere Kunden? Mit Lösungen, die an Kundenbedürfnissen orientiert sind, gelangen Sie nämlich zu schnellerer Marktakzeptanz und höherem organischem Wachstum. Ein gelungenes Beispiel für eine kundenorientierte Umsetzung ist die EASY Service App. Sie ist in einer Zusammenarbeit mit unserem Kunden Ritter Energie- und Umwelttechnik GmbH & Co. KG auf Basis der EASY Cloud Platform entstanden. Ritter dokumentierte die Aufgaben des Kundendienstes wie Installation, Wartung und Betrieb von Maschinen zuvor analog auf Papier, was einerseits zu einer erhöhten Fehlerfrequenz und Administration beim Techniker führte, andererseits nicht kundenfreundlich geregelt war, da der Informationsaustausch zu viel Zeit in Anspruch nahm: Informationen über Aufträge und Wartungen gelangten teilweise erst nach Tagen oder Wochen ins System. Mit der mobilen Service App laufen heute die mobil erfassten Daten digital und damit automatisch in die Service-Software ein. Die Servicetechniker von Ritter können Kundenanfragen schneller und zuverlässiger bearbeiten.
Aus dem Pilotprojekt ist mittlerweile die erfolgreiche EASY Service App für den Außen- und Kundendienst geworden, da sie an den konkreten Bedürfnissen der Kunden ausgerichtet ist. In unserem EASY Newsroom haben wir den Use Case ausführlicher beschrieben.

3. Schnell starten und verbessern

Entscheider sollten nicht lange fackeln, denn die Digitalisierung wartet nicht. Dazu müssen Sie keine Revolution in Gang setzen, sondern können die Digitalisierung vielmehr Schritt für Schritt umsetzen. Bei sich kontinuierlich verändernden Kundenbedürfnissen und Märkten sowie neuen Technologien machen lang geplante Strategien von mehreren Jahren keinen Sinn mehr. Besser ist es, kurzfristiger zu planen und die Ziele immer wieder anzupassen. „Learning by Doing“ ist das Stichwort in agilen und dynamischen Unternehmen. Digital Leader wie Facebook, Amazon oder Ebay haben es vorgemacht, wie man klein anfängt, testet, überarbeitet und immer besser wird.
Schnell implementierte Innovationen, die auf häufigen Versuchen und Messungen basieren, bewähren sich also. Die Technologie darf dabei kein Selbstzweck sein, sondern muss als Werkzeugt begriffen werden, um Kunden besser bedienen zu können. Schaffen Sie Prozesse im Unternehmen, die schnelle Innovationen fördern und setzen Sie bei der Produktentwicklung auf das MVP (minimum viable product), meist sind 80% für den Start gut genug, um wirklich schlanke und kundennahe Lösungen zu finden.

4. Integration: klein anfangen, groß denken

Unternehmen müssen in der Lage sein, nicht nur große IT-Projekte auszurollen, sondern die einzelnen Unternehmensprozesse nachhaltig zu digitalisieren, zu integrieren, intelligente Schnittstellen zu schaffen und so für Agilität zu sorgen und Kosten einzusparen. Erst, wenn Daten, Produkte und Applikationen miteinander arbeiten, gelangen Unternehmen zur Kernkompetenz der digitalen Transformation. Wichtig dabei ist, technologische Silos in Unternehmen aufzubrechen, eine ganzheitliche Strategie voranzutreiben und an die richtigen Schnittstellen zu denken, sodass Sie eine sinnvolle Automatisierung erreichen können. Das zukünftige Ziel sollte schließlich sein, jenseits des papierlosen Büros eine Technologie aufzusetzen, die auf Basis von Daten für uns arbeitet und automatisch Entscheidungen treffen kann. Das kann eine Software sein, die Beschwerde Schreiben ausliest und automatisch beantwortet oder eine Software, die automatisch den Materialbedarf für die Produktion regelt.
Zusammengefasst: Gehen Sie Schritt für Schritt bei der digitalen Transformation vor, aber denken Sie jetzt schon an zukünftige Möglichkeiten und schaffen Sie von Anfang an die Bedingungen für einen Ausbau Ihrer digitalen Prozesse und Geschäftsmodelle.

5. Disruption: sich selbst hinterfragen

Tradition ist kein Geschäftsmodell, das sollte jeder inzwischen verstanden haben: Dafür sind zu viele etablierte Unternehmen bereits von innovativen Start-ups überholt worden. Unternehmen sollten dazu bereit sein, eigene Geschäftsmodelle zu hinterfragen und sich kontinuierlich neu zu erfinden, bevor man von den anderen überholt wird.
Führende Unternehmen im digitalen Zeitalter unterscheiden sich von denen in der Vergangenheit. Sie fördern agile Strategien und lernen kontinuierlich aus Ihren Erfahrungen.
Die Sequenzierung der Transformation und die Entwicklung des richtigen Tempos der digitalen Innovation ist schließlich die eine große Herausforderung, die Sie durch eine klare strategische Ausrichtung in Verbindung mit dem Willen zum raschen Handeln bewältigen können.

Mit diesen fünf Imperativen im Hinterkopf wünsche ich Ihnen, dass es Ihnen in diesem Jahr erfolgreich gelingt, Umbrüche zuzulassen und Fahrt bei der Digitalisierung in Ihrem Unternehmen aufzunehmen!

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Informieren Sie sich über die nachhaltige Digitalisierung von Geschäftsprozessen von EASY SOFTWARE.

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Über Dieter Weißhaar
Dieter Weißhaar ist Vorsitzender des Vorstandes der EASY Software AG und seit vielen Jahren als Executive in der Technologiebranche tätig. Er rudert gerne zum Ausgleich zu den agilen und innovativen Aufgabenstellungen eines Unternehmens im digitalen Wachstumsmarkt.
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