Bürokratieabbau und Deregulierung bleiben oftmals Vokabeln aus Sonntagsreden. Den Weg ins echte Leben finden sie selten – entgegen aller anderslautenden Beteuerungen. Umso mehr fällt auf, wenn dies doch einmal der Fall ist – wie in der Neufassung der „Grundsätze zur ordnungsmäßigen Führung und Aufbewahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen in elektronischer Form sowie zum Datenzugriff”, kurz GoBD.

Gut Ding…

Am 14. November erstmalig durch das Bundesfinanzministerium veröffentlicht, ist die neue GoBD, um die rekordverdächtige eineinhalb Jahre gerungen wurde, seit dem Jahreswechsel rechtskräftig und damit für alle Buchführungs- und Aufzeichnungspflichtigen verbindlich.

 

Die kleine Revolution…

Die wichtigste Neuerung: Digital vorgehaltene Dokumente sind für den Gesetzgeber nun gleichwertig mit Papierdokumenten. Eine kleine digitale Revolution für Archivwesen und Buchhaltung und ein herber Schlag für die Hersteller von Lochern, Papierablagen, Ordnern und Aktenschränken. Denn ein Unternehmen, das ein DMS-System oder Archiv mit qualitativen und quantitativen Auswertungsmöglichkeiten einsetzt, kann eine Vielzahl der anfallenden Papierbelege nach dem Scannen und Erfassen einfach vernichten, statt sie quasi doppelt – im Original und digital – vorzuhalten.

 

…ist nicht der große Wurf

Wer nun direkt einen größeren Reißwolf oder den Entsorgungsdienst bestellen möchte, sollte sich zunächst genau informieren – denn die Neuregelung gilt nicht für jeden Beleg. Einige müssen trotz Neufassung der GoBD als Original aufbewahrt werden.

 

Der große Wurf sieht sicherlich anders aus – und so meldet beispielsweise der b.b.h., der Bundesverband selbständiger Buchhalter und Bilanzbuchhalter, stellvertretend für seine Mitglieder Kritik an. Der Berufsverband bemängelt unter anderem, dass Geschäftsvorfälle binnen einer Frist von zehn Tagen verbucht sein müssen und nur unter bestimmten Voraussetzungen periodenweise erstellt werden dürften.

 

Inkonsequent im Detail?

Ferner schreibe die Neuregelung vor, Belege zu kontieren, obwohl die elektronische Datenverarbeitung auch ohne Kontierung eine unmittelbare Zuordnung der Belege ermögliche. So erfülle die neue GoBD nicht konsequent den Anspruch, eine gänzlich praxisgerechte Lösung zu ermöglichen.

 

Nichtsdestotrotz: Die neue GoBD ist ein Schritt in die richtige Richtung. Weitere werden folgen – respektive folgen müssen.

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