Digitales Business

Schnelles Internet ja, aber um welchen Preis?

315 Milliarden Euro will EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker in die strategische Infrastruktur der Union investieren. Eines der Vorhaben, das auf der Liste förderbarer Projekte stehen dürfte, ist der Breitbandausbau. Die Bundesregierung jedenfalls meldete sich umgehend zu Wort, um Bedarf anzumelden: Es gelte, die Chancen der Digitalisierung zu ergreifen.

 

Wirtschaftsfaktor Digitalisierung

Das ist gut so. Denn die Digitalisierung und Virtualisierung der Wirtschaft ist längst zu einem wesentlichen Stellrad für Wohlstand und Wachstum geworden. Auf der vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) ins Leben gerufenen Internetseite „zukunft-breitband.de“ heißt es: „Die flächendeckende Versorgung unseres Landes mit leistungsfähigen Breitbandanschlüssen und der Aufbau von Hochleistungsnetzen sind wichtige Voraussetzungen für wirtschaftliches Wachstum, mehr Beschäftigung und steigenden Wohlstand.“

 

Ohne Breitband weder Big Data noch Cloud

Auf der gleichen Seite stellt das BMVI einen Link bereit: Fakten zum Breitband-Ausbau. Unter dem Titel „Breitbandpolitik hat Deutschland in der Spitze etabliert“ feiert das Papier den Standortvorteil Infrastruktur. Erstaunlich: Die verknüpfte PDF stammt bis heute aus dem August 2013 und beruht auf Zahlenmaterial aus 2012. Die Botschaft: Deutschland belegt in Europa einen Spitzenplatz, wenn man Datenverbindungen mit 30 Mbit/s betrachtet.

 

Politik drosselt Ausbau-Tempo

Das war 2013. Aktuellere Zahlen? Fehlanzeige. Unter den aufgeführten Breitbandtechnologien findet sich noch nicht einmal VDSL mit Vectoring – aktuell der Hoffnungsträger für einen schnelleren und kostengünstigeren Ausbau. Vielleicht liegt die Zurückhaltung daran, dass die Ziele zum Breitbandausbau in diesem Jahr zurückgeschraubt wurden: Strebte die Bundesregierung zunächst an, bis 2014 etwa 75 Prozent der Haushalte mit 50 MBit/s Breitband-Anschlüssen zu versorgen, sieht das im Oktober vorgestellte „Kursbuch Netzausbau“ inzwischen 2018 als Zielmarke vor. Bislang haben laut Bundesregierung lediglich 64 Prozent der Haushalte Zugang zu entsprechende Datenraten.

 

Flächendeckung kostet…

Übrigens: Bis zur 80 Prozent-Marke schultern die Netzbetreiber die Kosten des Ausbaus. Die zur Flächendeckung fehlenden 20 Prozent fördert dann der Bund – womit erheblicher Finanzierungsbedarf auf die öffentlichen Kassen zukommt. Denn die Versorgung des letzten Fünftels der Haushalte wird – so hat es der TÜV Rheinland errechnet – 20 Milliarden Euro kosten. LTE ist dabei als Zugangstechnologie bereits fest eingeplant.

 

Investoren sollen helfen

20 Milliarden – ungefähr so viel, wie die Europäische Union für ihr eingangs erwähntes Investitionspaket selbst bereitstellt. Sie will nämlich das Kunststück vollbringen, mit 21 Milliarden Euro sowie zusätzlich der Hilfe von Investoren 315 Milliarden Euro für Strukturinvestitionen locker zu machen. Hoffen wir, dass es gelingt. Denn der Breitbandausbau ist nicht nur teuer. Er ist – um es mit den Worten der Politik zu formulieren – „alternativlos“.

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