Wer sich für die Implementierung von SAP S/HANA entscheidet, steht vor einer Herausforderung: Jeder Programm- oder Versionswechsel einer Software ist damit verbunden, dass auch die Stammdaten einer Datenbank korrekt aus dem alten System exportiert und in das neue System importiert werden müssen, also auch die Materialstammdaten. Beim Umstieg auf SAP S/4HANA ist die Migration der Stammdaten mit besonderen Herausforderungen verbunden, da SAP für einige Stammdatenobjekte die Tabellen bzw. Strukturen verändert hat.

Die Datenmigration ist also keine zu unterschätzende Aufgabe. Immerhin kann die Menge der Datensätze je nach Unternehmenstyp und -größe beachtlich sein. Zudem sind sie die Basis für einen Großteil der Geschäftsprozesse. Es muss also sichergestellt werden, dass die Datenmigration fehlerfrei und vollständig erfolgt.

Zugleich birgt diese Aufgabe aber auch die Chance, die Datenqualität zu optimieren und Prozesse schlanker zu gestalten, sodass sie von Anfang an effizient mit dem neuen System arbeiten können. Denn häufig sind Materialstammdaten im Speziellen sowie Stammdaten im Allgemeinen nicht perfekt gepflegt. Ziel sollte es sein, sich vorab von Altlasten zu trennen und nur korrekte, vollständige und redundanzfreie Daten zu übertragen. Das kann sich auch positiv auf den Migrationsaufwand auswirken, denn je mehr obsolete Materialstammdaten Sie in SAP S/4 HANA übernehmen, desto mehr Kosten und Ressourcen brauchen Sie für die Migration. Nach Schätzungen verursacht eine schlechte Datenqualität bei ca. 40 % des gesamten Migrationsprojekts einen höheren Zeit- und Budgetaufwand.

Hierfür ist eine gewisse Vorarbeit erforderlich. Im Folgenden stellen wir Ihnen die vier Schritte einer erfolgreichen Migration von Stammdaten nach S/4HANA vor.

1. Datenanalyse – know your data!

Bevor es an die Optimierung der Daten geht, ist es für Sie essentiell, eine Bestandsaufnahme machen. Mangelnde Kenntnis von den eigenen Daten und Prozessen ist einer der häufigsten Gründe für Mehrkosten und Zeitüberschreitungen bei Migrationsprojekten. Verschaffen Sie sich einen Überblick über Quantität und Qualität der Materialstammdaten, denn nur so kann der gesamte Migrationsaufwand korrekt eingeschätzt werden. So sollte man kritisch überprüfen, welche Daten überhaupt noch benötigt werden. Womöglich gibt es Daten, die nicht mehr gültig sind oder mit denen im neuen System nicht mehr aktiv gearbeitet wird. Schaut man sich die Geschäftsprozesse an, sollte schnell deutlich werden, was noch relevant ist. Hier besteht die Chance, sich von unnötigem Ballast zu trennen und das neue System von vornherein sauber von Altlasten zu halten. Statt also alles zu migrieren, können Materialstammdaten, die nicht mehr benötigt werden, z.B. archiviert werden, sofern sie aufgrund von gesetzlichen Vorgaben nicht gelöscht werden dürfen.

Eine häufig auftretende Fehlerquelle in Materialstammdaten sind Dubletten. Hier gilt es zu definieren, wann Datensätze als Dubletten gelten. Wie gehe ich z.B. mit zwei Datensätzen um, die identisch sind, sich aber in der Schreibweise der Materialbezeichnung unterscheiden? Um Dubletten zu identifizieren, muss also festgelegt werden, bis zu welchem Grad zwei Datensätze übereinstimmen müssen, damit sie als Dubletten gelten. Dies kann zum Beispiel anhand der Materialbezeichnung, Herstellerteilenummer oder beider Parameter zusammen erfolgen. Außerdem ist es wichtig, nach Fragmenten der Materialbezeichnung zu suchen, denn nur so kann sichergestellt werden, dass ähnliche Bezeichnungen identifiziert werden. Auch die Gründe, warum Dubletten entstehen, sollte man beleuchten. Haben zu viele Mitarbeiter einen Schreibzugriff auf die Datenbank, kann das das doppelte Anlegen von Daten begünstigen. Es lohnt sich also, genau zu definieren, wer tatsächlich einen Zugriff benötigt und wer dabei welche Berechtigung haben muss.

Unvollständige Daten sind ein weiteres Problem, das häufig auftritt. Darüber hinaus werden Felder häufig nicht konsistent gepflegt. So kann es zum Beispiel zu Abweichungen bei der Schreibweise von Ländercodes kommen, die mal einstellig und mal mehrstellig eingepflegt werden. Auch werden Felder häufig nicht für ihren vorgesehenen Zweck verwendet, sondern für unterschiedliche Informationen genutzt. Dadurch entsteht eine inkonsistente Datenquelle, die Probleme in Ihrem Stammdatenmanagement mit sich bringen kann. Definieren Sie für diese Felder, welche Inhalte in welchem Format erlaubt sind und gehen Sie somit diesen Problemen aus dem Weg.

Einen weiteren Punkt, den Sie in Ihrer Analyse bedenken sollten, sind Unterschiede zwischen Alt- und Neusystem. Wie eingangs erwähnt bringt SAP S/4HANA einige Veränderungen mit sich. Eventuell gibt es Prozessänderungen oder die Länge der Eingabefelder weist Unterschiede auf, sodass Inhalte bei der Migration evtl. abgeschnitten werden könnten. Auch diese Diskrepanzen und Lösungsansätze sollten Bestandteil Ihrer Analyse sein.

2. Datenbereinigung – Basis für einen sauberen Start in SAP S/4HANA

Haben Sie sich ein Bild von der Quantität und Qualität Ihrer Daten gemacht, geht es nun an den nächsten Schritt auf dem Weg zur Datenmigration nach SAP S/4HANA: die Bereinigung der Materialstammdaten.

Neben dem Löschen von nicht mehr benötigten Datensätzen, etwa Dubletten, geht es auf der anderen Seite auch darum, unvollständige Datensätze zu ergänzen und zu vervollständigen, denn nur dann kann effizient mit diesen gearbeitet werden.

Eine entscheidende Frage ist, wie die Bereinigung und Datenanreicherung durchgeführt werden soll. Natürlich kann sie auf manuellem Weg geschehen, doch dieser hat den großen Nachteil, dass er extrem zeitintensiv ist. Alternativ gibt es Möglichkeiten, die Bereinigung automatisiert durchzuführen. Da das aber nicht ganz ungefährlich ist, bietet es sich in vielen Fällen an, auf einen Dienstleister zurückzugreifen. Denn bei unsachgemäßer Vorgehensweise können wichtige Daten verloren gehen.

3. Migration der Daten in SAP S/4HANA – effizient und koordiniert

Nach all der Vorarbeit ist es nun endlich so weit: Ihre Materialstammdaten können in das neue System migriert werden. Durch die vorangegangene Überprüfung und Bereinigung der zu transferierenden Daten werden alte und fehlerhafte Daten ausgeschlossen und Sie übergeben nur hochwertige und relevante Stammdaten.

Auch hier sollte vorab genau geprüft werden, auf welchem Weg die Daten in das neue System gelangen können und welche Tools und Hilfsmittel infrage kommen.

Nach abgeschlossener Datenmigration sollte unbedingt überprüft werden, ob alle Daten vollständig und korrekt übernommen wurden. Dadurch garantieren Sie eine hohe Stammdatenqualität als Grundlage Ihrer Geschäftsprozesse.

4. Vertrauen Sie Ihren Daten!

Es ist geschafft! Ihre Stammdaten wurden erfolgreich nach SAP S/4HANA migriert und Sie starten mit einer sauberen Datenbasis ohne Altlasten.

Eine gut geplante Umstellung mit bereinigten Daten bringt viele Vorteile mit sich. Dazu gehören beispielsweise:

  • Bessere Performance von SAP S/4HANA
  • Optimierte Geschäftsprozesse
  • Reduktion von Dubletten
  • Weniger benötigter Speicherplatz nach Bereinigung
  • Einfache Administration der Datenbank
  • Weniger laufende Kosten für Platz auf dem Hauptspeicher
  • Weniger Ressourcen für die Umstellung und reduzierte Gesamtbetriebskosten

Die Mühen Ihrer Vorarbeit haben sich also gelohnt. Damit die Effekte nicht schnell wieder verpuffen, empfiehlt es sich sicherzustellen, dass die Datenqualität konstant hoch bleibt. Auch wenn es lästig erscheint: nehmen Sie sich regelmäßig Zeit für einen Qualitätscheck. Haben sich wieder Dubletten eingeschlichen? Sind Datensätze unvollständig oder fehlerhaft? Davon sind nicht nur Materialstammdaten betroffen. Bedenken Sie, dass sich alle Stammdaten (z.B. Lieferanten- oder Kundenstammdaten) regelmäßig verändern können, etwa durch Umzüge oder Umfirmierungen.

Die Zeit, die Sie für die Qualitätskontrolle und Pflege Ihrer Materialstammdaten aufwenden, ist also sinnvoll investiert, wenn Sie optimal mit ihnen arbeiten wollen.

Über Antonia Hohenberger
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