Wie so oft bei Werkzeugen sind Ausführung und Ergebnis von den Anwendern abhängig – wovon Low Code Entwicklung keine Ausnahme darstellt. So kann ein Nicht-Entwickler mit Low Code Plattformen nützliche digitale Dienste erstellen, aber ebenso auch ein Entwickler mit der selben Plattform Output erzeugen, der von Nutzern nicht angenommen wird. Dennoch sind Programmierer weiterhin nicht ersetzbar, da sie über entsprechendes Basiswissen sowie das fundamentale Verständnis über Architekturen verfügen, die für die vollständige Umsetzung und Integration notwendig sind. Wo genau, soll der Artikel aufzeigen

Low Code kann nicht alles abstrahieren

Es gibt genügend Anwendungsbereiche, bei denen die Low Code an seine Grenzen gerät. Das kann zum Beispiel die Implementierung von Android Wallpaper betreffen oder ein iOS Lockscreen Widget, da Low Code Entwickler nur einen begrenzten Zugriff auf Geräte-APIs und Plattform-Kontrollen haben. Wer also einen Zugriff auf spezielle Funktionen nativer APIs benötigt, wird mit Low Code alleine nicht auskommen. Low Code eignet sich also für eine große Zahl von Anwendungsfällen und Business Prozesse, aber wie sich ein Hammer nicht dazu eignet, eine Glühbirne in die Fassung zu bringen, ist auch Low Code nicht für jeden Anwendungsfall geeignet.

Low Code wird Entwickler also nicht ersetzen. Aber das allein wird sie nicht zu tatkräftigen Unterstützern von Low Code machen. Während einige die Zeitersparnis zu schätzen wissen, vertrauen andere Low Code prinzipiell nicht. Sie glauben nicht, dass man Low Code unternehmenskritische Prozesse anvertrauen kann, oder Low Code für etwas nutzbar ist, über das man im laufenden Betrieb keine Kontrolle hat. Das allerdings ist ebenfalls eine irrationale und unbegründete Sorge.

Die meisten Plattformen laufen auf Entwicklern bekannten Stacks. Und meist arbeiten Entwickler ohnehin mit Codes und Anwendungen, bei denen sie nicht vollen Zugriff auf alle Details haben. Java, Scala, Groovy und andere Programmiersprachen beruhen zum Beispiel auf JVM. JVM aber hatte, als es eingeführt wurde, mit ebenso großen Vorurteilen von Seiten der Entwickler zu kämpfen wie heute Low Code. In den Jahren aber ist das Vertrauen gewachsen. Entwickler begannen zu begreifen, dass Java und JVM ihnen für längere Zeit würde erhalten bleiben und dass Oracle beides weiterhin unterstützen würde.

Auch die Abhängigkeit von Open Source Software lässt sich mit einem Vorhang vergleichen, durch den man zwar schauen kann, aber nicht alles klar erkennt. Man denke an Linux oder Ruby on Rails. Entwickler haben zwar Zugriff auf den Source Code, doch um seltene Probleme zu finden, müssen sie den Code tief analysieren. Folgt man der Analogie, kann Low Code ebenso Fehler aufweisen, die tief analysiert werden müssen, hat dabei aber kein Alleinstellungsmerkmal.

Low Code Entwicklung ist keine Bedrohung

Low Code Plattformen bedrohen weder Entwicklerjobs, noch sind sie die einzige Black Box, mit der Entwickler arbeiten. Ein Grundverständnis über die Funktionsweise kann jedoch helfen, Fehlerpotentiale zu erkennen, bevor sie entstehen.

Was also bleibt als Hindernis? Vielleicht der Fakt, dass viele Entwickler ihren Beruf nicht nur als Beruf begreifen, sondern zum Beispiel in ihrer Freizeit mit Open Source Codes arbeiten, neue Frameworks entwickeln oder versuchen bislang unbeantwortete Fragen zu lösen. Die Ablehnung von Low Code hat also häufig auch eine emotionale Komponente, da Low Code Entwicklung innerhalb sehr viel kürzerer Zeit umgesetzt werden kann als Software Engineering. Low Code Plattformen zu akzeptieren, bedeutet also, einen Einschnitt in den persönlichen Status zu akzeptieren, ebenso wie den Fakt, dass Low Code Plattformen viele komplexe Probleme bereits vorab lösen: Lastverteilungen, Ressourcenallokation, Verschlüsselung und ähnliches. Das lässt ihnen nur noch wenige Hürden, die sie im Alltag überkommen müssen, nur noch wenige spannende Probleme, die sie noch händisch zu lösen haben.

Coding vs. Low Code?

Für viele Unternehmen ist Low Code eine wichtige Komponente für das Business, um die Zukunftsfähigkeit zu erhalten und durch schnelle Adaption an den Markt gegen andere Wettbewerber bestehen zu können. Die Entwicklung mit Low Code ist ein gradliniger Prozess und meist schneller geht, als bisherige Entwicklungsprozesse. Oft ist die IT das Bottle Neck in der digitalen Transformation, da sie wichtiger denn je ist, aber auch eine endliche Ressource. Zudem ist sie anfällig für menschliche Fehler. Häufig genug gibt es eine unangenehme Korrelation: Versuchen Entwickler Code sehr schnell zu schreiben, um mit den Anforderungen mitzuhalten, bauen sie meist mehr Fehler ein. Einfach schneller zu programmieren ist also keine Alternative zu Low Code.

Low Code Entwicklung bietet Qualität und Schnelligkeit in einem – für einen entsprechenden Preis

Auch wenn Geschwindigkeit in sich stetig verändernden Märkten essentiell ist, geht Geschwindigkeit häufig auf Kosten der Qualität. Low Code vereinbart beides miteinander, kommt aber mit einem entscheidenden Nachteil daher. Bestehende Low Code Plattformen sind nicht frei verfügbar, sondern kosten je nach Einsatzzwecke hohe Lizenzgebühren. Dies versprechen sie durch geringere Entwicklungskosten und schnelle Umsetzungsgeschwindigkeiten wieder wett zu machen.

Leadership: Umdenken der Mitarbeiter inspirieren

Damit Entwickler die Arbeit in einer Low Code Umgebung akzeptieren und keine Akzeptanzprobleme auftreten, sollte ein grundsätzliches Umdenken gefördert werden: Weg von der Selbstidentifikation einzig als Entwickler und hin zum Selbstverständnis als „Leader“. Diese schauen auf das große Ganze und nicht allein auf ihre Rolle im Unternehmen. Leadership ist dabei nicht begrenzt auf Führungspositionen, sondern jeder kann und sollte daran teilhaben.
Leader erkennen, dass sie nicht dafür da sind, Probleme zu lösen oder gar zu „hacken“, sie sind verantwortlich dafür Produkte zu liefern. Der Stolz und der Status sollte also nicht allein durch den Jobtitel oder die Arbeit definiert werden, sondern über den Effekt, den er oder sie auf andere hat. Nach diesem Selbstverständnis kann es das beste für die gesamte Organisation sein, mit einer Low Code Umgebung zu arbeiten, die in vielen zufriedenen Kunden resultiert, denn auf „so haben wir das schon immer gemacht“ zu beharren. Diesen Prozess des Umdenkens gilt es also ebenfalls zu fördern.

Die Kommunikation von Unternehmenszielen kann das Einordnen der persönlichen Aufgaben im Gesamtkontext erleichtern, Zusammenhänge aufzeigen und Akzeptanz fördern. Wenn Entwickler erkennen, dass die Ziele größer sind, als sie selbst, kann man sie auch mit den entsprechenden Leadership-Werkzeugen ausstatten, ihnen die Möglichkeit geben, am Großen und Ganzen teilzuhaben. Ist Low Code Entwicklung eine essentielle Komponente in der Unternehmensvision und erkennen Mitarbeiter, dass das Ergebnis mehr zählt, als die Mittel oder der Weg dahin, werden sie auch bereit sein, mit Low Code zu arbeiten.

Wird Low Code zunächst ablehnend begegnet, sollte daher die Frage nach dem warum gestellt werden und die dahinterliegenden Gründe und Ängste identifiziert werden. Diese Ängste sind real, lassen sich aber ausräumen. Gelingt dies und nutzen Teams Low Code Werkzeuge effektiv und mit Enthusiasmus, dann werden Unternehmen schnell die entsprechenden Erfolge verzeichnen: Zufriedene Endkunden und deren Nutzer.

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